warum Silvio Koch nun schweigt

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von maiden, 18. Februar 2010.

  1. maiden

    maiden Lever duat us slav

    Silvio Koch, Ministerpräsident in Hessen und brutalsmöglicher Lügner, Heuchler und Dummschwätzer noch vor Westerwelle, schweigt.

    Noch vor wenigen Wochen, man erinnere sich, krakeelte und posaunte er durch die Republik und schlug auf HartzIV-Empfänger und Arbeitslose ein.
    Das geschah zu jeder Zeit, als man nicht nur in Hessen sondern auch im Rest der Republik Diskussionen um die mafiösen Strukturen in und um Hessens Regierungsbande führte. Von gar schlimmen Fällen war da die Rede. Unliebsame Steuerfahnder, höchst erfolgreich und dem hessischen Staate jährlich millionenschwere Einnahmen wiederbeschaffend, aber mancher Klientel der regierenden CDU wohl zu unbequem geworden, sollen mittels gekaufter und getürkter psychiatrischer Gutachten kalt gestellt und abserviert worden sein. Auch ein dubioser Fall in Justizkreisen Hessens schlug gar hohe Wellen der Empörung. Bis in höchste Regierungskreise reicht der schlimme Verdacht. In beiden Fällen. Besonders aber im ersten. Bis kurz vor Koch. Da ist eine unsichtbare Schutzwand, eine Grenze, die niemand übertritt. Dort endet ein jeder Verdacht. Und somit auch die Ermittlungen.

    Nun war dem Silvio Koch die Sache, die Diskussion nämlich, weniger der Fakt der kriminellen Handlung, aber arg unangenehm geworden. Und er besann sich eines alten Rezepts aus früheren Wahlkampftagen: man suche sich ein schwaches Feindbild, auf das sich herrlich eindreschen läßt. Am besten das Feindbild Arbeitslose und HartzIV-Empfänger. Die haben nämlich, im Gegensatz zu Silvio Kochs Freunden aus der hessischen Finanz- und Unterwelt, keine Lobby und keine Beschützer.

    Und so tat Silvio Koch das was er am besten kann. Er log und trog, er schimpfte und plärrte, machte ordentlich Krach und Radau, bis alle Welt ihm zuhörte und nur noch über den Betrug der HartzIV-Empfänger und Arbeitslosen redete. Und nicht mehr darüber, daß die hessische Regierungsbande kurz zuvor Steuerfahnder dienstlich beseitigen ließ. Weil sie zu erfolgreich waren und zu viel Geld zurück holten. Von den Leistungsträgern, die beschützt und geachtet gehören und sich gestört fühlten.
    Auch die Summen, die des Betruges durch HartzIV-Empfänger, und die des Betruges durch Steuerhinterzieher und Schmarotzer mit heimlichen Auslandskonten, waren jetzt kein Thema mehr.

    Silvio Koch sah, daß es gut war. Er hatte die Diskussion wieder erfolgreich auf einen anderen Weg gebracht. Weg von diesen kleinen aber lästigen Bagatellen um Steuerfahnder und Richterinnen in Hessen.

    Dann kam sein Freund im Geiste - Guido.
    Guido, brutalsmöglicher Heuchler und Lügner nach Silvio Koch, hatte auch ein Problem. Diesmal diskutierte die Republik über Steuergeschenke für Hoteliers. Auch ein sehr unangenehmes Thema, das aus der Welt geschafft werden mußte. Da man Geschenke nicht mehr zurück nehmen darf und Hoteliers auch von etwas leben müssen, tat Guido das was Silvio am besten kann und Guido am zweitbesten: man eröffnet einen Nebenkriegsschauplatz und sucht sich ein einfaches und schwaches, aber wirkungsvolles Feindbild: Arbeitslose und HartzIV-Empfänger. Denn die haben, im Gegensatz zu Hoteliers keine Lobby. Außerdem müssen sie hinnehmen was man über sie beschließt und richtet.

    Arbeitslose und HartzIV-Empfänger haben außerdem den Vorteil, daß sie quasi ohnehin schon im Grunde Verbrecher sind. Inzwischen haben neoliberale Dampfplauderer in unzähligen öffentlich-rechtlichen Bedürfnisanstalten getalkt und sich an Schmarotzertum und Betrug dieser Faulenzer abgearbeitet, haben fleißig dämonisiert und kriminalisiert, haben ihre Parolen immer und immer wieder heruntergebetet und dem Volke eingebläut, daß es unter diesen Kostgängern zu leiden hat, daß Arbeit nicht lohnt, weil die Kostgänger zu viel unterstützt werden (und nicht weil manche Arbeitgeber Mickerlöhne zahlen), daß es allen so schlecht geht weil es den Kostgängern so gut geht.

    Der schrille Guido kennt all diese schlagkräftigen Argumente. Er kennt die Zahlen - seine falschen und die richtigen, und er weiß welche Wirkung Worte haben, wenn sie nur laut, schrill und oft genug vorgetragen werden. Wie vorteilhaft es ist, wenn eine Klatschkloake mit großen Buchstaben, zündenden Überschriften und wenig Fakten das Konzert der Lügner und Heuchler mit weiteren schrillen Tönen unterstützt, sieht man dieser Tage.

    Guido ist die lästige Diskussion um Steuergeschenke für Hoteliers los. Und Koch die lästige Diskussion um Schweinereien in Hessen. Alle Welt redet nur noch über HartzIV-Empfänger und deren Ausplünderung des Volkes und Staates und Zerstörung der Gesellschaft.

    Und deshalb muß Silvio Koch aus Hessen auch nichts mehr sagen.
    Und der schrille Guido bald auch nicht mehr.
    Die Schwachköpfe in den Redaktionsstuben der Klatschkloake mit großen Buchstaben, zündenden Überschriften und wenig Fakten spielen weiter laute Musik. Und die Herrschaften in Berlin sehen dringenden Handlungsbedarf für neue Gesetze und Kürzungen.

    Und die kleine Bagatelle in Hessen und die Lapalie mit den Hoteliers wird auch bald vergessen sein.
     
  2. vulkanos

    vulkanos New Member

    Dem Vergessen kann entgegengewirkt werden: Am 23. Februar 2010 lesen in "Neues aus der Anstalt" Urban Priol & Georg Schramm um 22:15 (ZDF) der Nation wieder gehörig die Leviten. Besonders Schramm wird wieder derart vom Leder ziehen, dass es hoffentlich nicht nur muffigen Amtsstuben, erzbischöflichen Palais, Partei- wie Unternehmenszentralen gehörig kracht.

    Also nicht vergessen!

    vulkanos
     
  3. McDil

    McDil Gast

    Wäre mal interessant, ob unter den Dumpfbacken, die das Schwarz-Gelbe-Traumpaar gewählt haben, auch solche sind, die sich "Neues aus der Anstalt" reinziehen. Wundern würde es mich überhaupt nicht.

    Was die wechselnden Soli der alltäglichen politischen Kakophonie angeht, so tippe ich ganz einfach auf eine Art "Mannschaftsspiel", wo die Rolle des Wadenbeißers jeweils wechselt.

    Diese ganze Gesellschaft gehört im Klo runtergespült.
     
  4. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Gottseidank lässt sich die Frankfurter Rundschau nicht den Schneid abkaufen, berichtet weiter über den hessischen Sumpf.

    Wer solche lügenden Politiker („Auf der Liechtenstein-CD waren, was Hessen angeht, nur ein paar Rentner die im Schnitt 230 Euro nach zahlen müssten.“) in seinem Land beherbergt, dem muss Angst und Bange werden.

    Hessenland ist Mafialand!
    http://www.fr-online.de/in_und_ausl...in-Noeten-Steuerfahnder-verklagen-Weimar.html

    Ich bin gebürtiger Hesse! Bevor die ganzen Gangster nicht hinter Schloss und Riegel sind, glaube ich nicht mehr an die Demokratie! Das hat selbst die Mafia noch nicht geschafft, 4 intelligente und in keinster Weise auffällige Menschen für verrückt erklären zu lassen.

    Hier reichen keine Rücktritte mehr sondern nur langjährige Haft.
     
  5. McDil

    McDil Gast

    Mögen deine Träume in Erfüllung gehen! – Was das mit der Mafia angeht: Die lösen das Problem mit aufmüpfigen "überpeniblen" Fahndern ganz ohne medizinischen und rechtlichen Beistand.
     
  6. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Ich finde nicht den genauen Betrag, den die Liechtenstein-CD einschl. der Zinsen und Strafen einbrachte. Jetzt habe ich es: Erst ein Drittel der Fälle ist abgearbeitet und erbrachte 200 Millionen Euro. Und ausgerechnet in Hessen gab es keine Steuersünder? Das ist so lächerlich, da müssten doch selbst bürgerliche Zeitungen die Hetzjagd mitmachen und nicht mehr ruhen, bis die Gangster zur Strecke gebracht sind. Das kann doch niemand dulden, der sich auch nur zu 10% als Demokrat versteht.
     
  7. maiden

    maiden Lever duat us slav

    mich fasziniert dieses sich wiederholende Muster, wie Westerwelle und Koch von ihren eigenen Schweinereien ablenken indem sie sich beide zu genau jener Zeit, als die Diskussion um Steuergeschenke und Steuerfahnder aufkochte, auf das gleiche Ziel einschossen. Und wie die ganze Meute der Medien und der Volksvertreter mitsamt dem halben Volk dieses faule Spiel nicht durchschauten und Koch und Westerwelle auf den Leim gingen.
     

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