Was tun mit Yahoo?

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von ab, 8. September 2005.

  1. ab

    ab New Member

    "Journalist zehn Jahre in Haft
    "Yahoo hilft Chinas Polizei"

    Die Herausgabe von E-Mail-Daten durch Yahoo, die zur Verurteilung des systemkritischen chinesischen Journalisten Shi Tao zu zehn Jahren Haft beigetragen haben, hat heftige Proteste ausgelöst. "

    (http://www.n-tv.de/577058.html)

    Es gab einmal eine Zeit, da konnte man anonym im Usenet posten. Whistleblower hatten eine Chance. Und nun, da Yahoo Milliarden in China investieren will, führen sie einen Journalisten auf die Schlachtbank.

    Sollte man da etwas unternehmen? Yahoo boykottieren? Etwas anderes? Lohnt es sich überhaupt?

    ab
     
  2. mac-addict1982

    mac-addict1982 New Member

    Wo Geld zu holen ist, müssen Menschenrechte in den Hintergrund rücken. Ich finde es ebenfalls unglaublich, dass Yahoo der chinesischen Führung hiflt, ihre Dissidenten unter Kontrolle zu bringen.

    Am besten boykottieren. Oder eine Petition starten?
     
  3. resedit

    resedit Alles ist gut!

    Yahoo?
    Wasn das?
     
  4. Paparatze

    Paparatze New Member

  5. RaMa

    RaMa New Member

    erstmal account löschen lassen. die kriegen keine kohle mehr von mir.
     
  6. Paparatze

    Paparatze New Member

  7. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    In einem Strafverfahren - und darum handelte es sich hier nach Chinesischem Recht, egal, ob das Delikt in unseren Augen eine Strafsache ist oder nicht, es gelten schliesslich die Gesetze des Landes, in dem die Tat begangen wurde - würde ein Internet/Mail/Sonstwas-Provider auch in unserer schönen und "freien" Welt zur Preisgabe der ihm verfügbaren, personenbezogenen Daten gezwungen. Insofern verstehe ich die Aufregung um Yahoo nicht so recht. Die Daten eines vermeintlichen Spions hätten sie also zurückhalten sollen, die Daten eines Massenmörders aber preisgeben? Hat Yahoo jetzt schon seine eigene Gerichtsbarkeit?

    Ciao, Maximilian
     
  8. maiden

    maiden Lever duat us slav

    chinesische Dissidenten oder kritische Journalisten sind halt auch Schwerverbrecher.

    Aus der Sicht der chinesischen Junta
     
  9. curious

    curious New Member

    was blöderes habe ich schon lange nicht mehr gelesen...
     
  10. mac-addict1982

    mac-addict1982 New Member

    Genau! Ein Kinderschänder und ein Regimkritiker verüben beide die genau gleich schwere Straftat für die Chinesen. Aber hier bei uns sind die Standards zum Glück noch anders (Kinderschänder schwerer Straftäter, Regierungskritiker ein mehr oder weniger guter Demokrat). Ich find's gesamthaft krank, dass für unsere Unternehmen in China nur der Profit im Vordergrund steht, während Menschenrechte mit Füssen getreten werden.
     
  11. mac-christian

    mac-christian Active Member

    Steht doch in jedem Lehrbuch: "Das Ziel einer Unternehmung ist es, Profit zu erwirtschaften".

    Über dieses Thema habe ich schon des öfteren mit Wirtschaftsleuten und Dozenten gestritten, leider ohne sichtbaren Erfolg...

    Christian.
     
  12. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Tut mir leid für die späte Antwort, aber das System hat mich gezwungen, Geld verdienen zu gehen...

    Erstens erklärst Du mir jetzt bitte, was an meinem Beitrag blöd war, und zweitens verdeutliche ich meinen Standpunkt jetzt an einem Beispiel, das auch Du verstehen wirst:
    Bei uns gibt es immer mal wieder Aktionen gegen Kinder-Porno-Ringe im Internet, gegen Schleuserbanden von minderjährigen Prostituierten und ähnlichem. Man kommt an diese Leute heran, indem man einschlägige Internet-Foren ausforscht und die Provider zwingt, die Identitäten ihrer Knden preiszugegen. Noch nie habe ich gehört, dass sich jemand über die Herausgabe solcher Daten durch die Provider beschwert hat, wir alle finden das gut und richtig, denn diese Leute verstossen gegen Gesetze, die hierzulande nunmal gelten. Sie bekommen auch hohe Haftstrafen, wenn sie überführt werden, und auch das finden wir richtig und fordern sogar oft noch härtere Bestrafungen. In anderen Ländern (Thailand?) ist Kinderprostitutiuon aber offenbar kein Straftatbestand (oder bis vor kurzem nicht gewesen). Was würden wir jetzt dazu sagen, wenn sich Gutmenschen in diesen Ländern darüber ereiferten, dass bei uns die Internetprovider wegen solcher "Bagatelldelikte" ihre Kunden ans Messer liefern?

    Mit keinem Wort habe ich übrigens gesagt, dass ich es richtig finde, einen Menschen wegen regimekritischer Äusserungen für 10 Jahre ins Gefängnis zu stecken.

    Ciao, Maximilian
     
  13. crewman34

    crewman34 New Member

    yahoo, das braucht nun wirklich keiner.

    gruss
    crewman
     
  14. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Offenbar schon, sonst hätten sie nicht so viele Kunden.

    Mir persönlich ist Yahoo auch schnurzegal, mich stört nur, dass jetzt einseitig über diese Firma hergezogen wird. _Jeder_ _andere_ Provider hätte in dieser Situation die Daten genauso weitergegeben. Es hat jetzt halt Yahoo getroffen, es hätte genasogut aol oder T-Online (oder wer immer in China eMail-Dienste anbietet) sein können.

    Ciao, Maximilian
     
  15. maiden

    maiden Lever duat us slav

  16. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Ich kenne den Artikel, und der Schlusssatz (das ist eines der wenigen Worte, bei dem ich die neuen Rechtschreibregeln anwende) sagt eigentlich alles:
    Wirtschaft ist so, Politik auch und Medien sowieso.

    Wenn man in und mit Ländern wie China Geschäfte machen will (und das gilt für jeden von uns, der irgendwelchen Billigramsch von dort kauft, weil er damit ein paar Euro sparen kann!!!), der muss das Spiel nach deren Regeln spielen. Fein dran ist derjenige, der es sich leisten kann, seine Moralvorstellungen über seine finanziellen Zwänge zu stellen. Kann ich aber oft nicht und deshalb kann ich Firmen wie Yahoo auch nicht verurteilen, ohne selbst als bigotter Heuchler dazustehen. Auch ich habe nämlich schon genug Chinaschrott gekauft, habe damit mehr oder weniger diese Regime unterstützt und bin mit schuldig. Und ich möchte wetten, die Spiegel-Redakteure auch.

    Ciao, Maximilian
     
  17. maiden

    maiden Lever duat us slav

    hast Recht und ich bemühe mich nach Kräften, chinesische Erzeugnisse nicht zu kaufen. Oft weiß man nicht woher es kommt oder es läßt sich nicht vermeiden, da ohne Alternative, aber wenn ich es weiß und es sich vermeiden läßt, tue ich es. Schon wegen der beschissenen Qualität, die die Chinesen oft produzieren.
     
  18. curious

    curious New Member

    hallo maximilian,


    ich denke ( bezogen auf deinen Thailand Vergleich), das es kulturinterne Werte und kulturübergreifende Werte gibt.

    Yahoo (aus einem demokratisch geprägten Kulturpreis kommend), repräsentiert halt ein System, in dem es als amoralisch gilt, durch
    Herausgabe pers. Daten einen Systemkritiker mundtot zu machen und
    damit als Erfüllungsgehilfe eines totalitären Systems aufzutreten.

    Und in sofern kann man da nicht einfach gepflegt wegschauen, und auf die Souveränität eines anderen Kulturkreises pochen, und deren Maßstab zur Legitimation der eigenen (Unrechts) Handlung mißbrauchen.


    gruss,

    curious
     
  19. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    Stimme ich sofort zu. Aber offiziell hat man Yahoo zur Herausgabe der Daten eines Spions gezwungen (genötigt, gebeten, was auch immer, keiner von uns und keiner von der Presse war dabei, und deshalb wissen wir es auch nicht und können nur mutmassen) und Spionage ist im Kulturkreis, dem Yahoo entstammt, durchaus ein ernstzunehmender Straftatbestand.
    Und wie ich eingangs schon schrieb, unterhalten wirtschaftliche Unternehmen keine eigene Gerichtsbarkeit, die es ihnen erlauben würde, über die Richtigkeit einer Anschuldigung selbst entscheiden zu können.

    Wäre es kein Regimekritiker/Spion, sondern ein Internetbetrüger (in der Art der "Nigeria-Connection") gewesen, dann hätten wir es alle für gut und richtig gefunden, dass der Provider auf eine blosse Anschuldigung hin (zur Unterstützung der polizeilichen/gerichtlichen Ermittlung) die Daten herausgibt, oder nicht? Wo ist die Trennlinie, was darf man, was darf man nicht? Das weiss ich nicht, und deshalb stören mich solche Kampagnen, wie sie gerade gegen yahoo gefahren werden.

    Ciao, Maximilian
     
  20. nanoloop

    nanoloop Active Member

    Überdenkenswert wäre dann, wenn du einen Erwerb andenken würdest, derselbe eines iPod nano.
     

Diese Seite empfehlen