Wegen Geld gefeuert ? - Honni soit qui mal y pense ...

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von Altermac50, 29. Oktober 2008.

  1. Altermac50

    Altermac50 New Member

  2. edwin

    edwin New Member


    Klingt so, als wolle man den Satz "Wessen Brot ich esse, dessen Name ich rufe" mal wieder Nachdruck verleihen.

    Was ist nun an diesem nicht besonders hübschen Frosch so schlimm?

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    Anhänge:

  3. edwin

    edwin New Member

    Ach, und Meinungsfreiheit, das ist auch nur so ein geflügeltes Wort.
     
  4. Schaumberger

    Schaumberger Wurschthaut, alte

    Ich weiss auch nicht, es wäre doch wahrlich begrüßenswert wenn die Verschwendung öffentlicher Gelder einmal Folgen für die Verantwortlichen nach sich zöge, oder?

    Und falls das ganze eine Retourkutsche für die Ausstellung dieses Frosches ist, dann müsste man die Diskussion über den künstlerischen Wert dieses Werkes neu aufrollen. Neben dem Vorwurf der Blasphemie (der in der Diskussion um "Kunst" eigentlich nichts zu suchen hat, es sei denn die Kunst wird durch kirchliche Institutionen finanziert) ist m.E. auch ein anderer Aspekt wichtig: Als Direktorin trägt die Dame auch Verantwortung für die Bewertung und Auswahl von Stücken denen mit öffentlichen Geldern ein Platz im Rampenlicht gewährt wird – Angesichts dieses speziellen Werkes darf m.E. zurecht diskutiert werden ob die Dame qualifiziert genug ist um diesen Posten zu bekleiden.

    Ich bin da durchaus McDils Meinung: Wenn das was auf dem Bild zu sehen ist alles ist was dieses Werk umfasst, dann hätte man es nicht ins Museum holen sollen – Banal, billig, handwerklich mittelmässig –*wäre es eine Arbeit aus dem Kunstunterricht der 10. Klasse fände ich evtl. eine Diskussion im Rahmen der Schulgemeinde angebracht – sonst eher nicht...
     
  5. Convenant

    Convenant Haarfestiger

    Ist es nicht auch irgendwie – entartet?
    :teufel:
     
  6. Schaumberger

    Schaumberger Wurschthaut, alte

    Dazu müsste es erstmal irgendwie "geartet" sein?

    Aber ein interessanter Einwurf: Bei der Diskussion ob nun ein in den Medien als Kunstwerk betiteltes Etwas austellungswürdig oder nicht sei kommt sehr schnell das Totschlag-Argument der Zensur (oder gleich die Entartungskeule). Kein Mensch allerdings würde auf die Idee kommen lauthals anzuprangern das die jeweils eigenen Telefonkritzeleien es nicht die Galerien dieses Landes schaffen –*wenn ich meine Bilder (ja, ich male!) an die Pinakothek in München schicke und dort abgelehnt werde, glaube ich kaum das mir die Presse zur Seite springen würde und die Kuratoren der Zensur bezichtigen, oder?

    Irgendwo verläuft eine unsichtbare Grenze: Der Frosch um den es hier geht gilt als Kunstwerk, der geäusserte Wunsch er möge in der Schublade seines Schöpfers verbleiben wird leichthin als Zensur gebrandmarkt. Dem Strichmännchen (mit Pimmel!) das ich heute morgen beim Frühstück gemalt habe, wird eine solche Aufmerksamkeit nie zuteil – offensichtlich herrscht ein großer Konsens das die Öffentlichkeit gut ohne es auskommt. Warum ist das so? Woran wird denn der "Wert" oder die "Bedeutung" eines Werkes festgemacht?

    Ich behaupte das die zwei Werkbeispiele, Frosch und Pimmelmann absolut gleichwertig (oder auch gleichermaßen unbedeutend) sind und es deswegen absurd ist auch nur über die Ausstellung in einem öffentlich finanziertem Museum im Rahmen einer "Kunstaustellung" nachzudenken, geschweige denn es auch wirklich zu tun.
     
  7. Convenant

    Convenant Haarfestiger

    Also ich mit meinem entarteten Kopf kann schon folgen, dass es einen Lebensabschnitt aufzeigt, wenn es – wie mir kolportiert wurde – sich um die Abrechnung mit der Sucht handelt. Ich weiß zwar nicht, wie »drogenerfahren« ihr seit, aber die Kröte ist mir nicht neu, der Erlöser am Kreuz mit Bierkrug ist ein schönes Zeichen. Es ist tatsächlich so, dass ich in dieser drolligen Skulptur wohl viel, viel, ja, vielviel mehr als ihr sehe. Und entartet – nun, dass ist alles, was dem gesunden Volksempfinden sauer aufstößt.
     
  8. Schaumberger

    Schaumberger Wurschthaut, alte

    Na ich will dem grünen Heiland ja gar nicht mehr absprechen als nötig ist – so über der Drexeleckbank macht der sich sicher gut –*die Frage ist ob er gleich in ein Museum muss? Rosamunde Pilcher spricht auch eine Menge Leute an – ins Museum kommen ihre Werke trotzdem nicht (nur ins ZDF, das wär ja vielleicht auch der passende Rahmen für den Frosch?)
     
  9. Snorrt

    Snorrt New Member

    Kunst ist keine Dienstleistung. Und auch keine Unterhaltung. Es gibt auch keine objektive Beurteilung, was Kunst ist und was nicht. Daher: Häh?

    Hätte man damals Beuss auch als billigen Handwerker und schlechten Unterhalter diffamiert, weil er Fetthaufen als Kunst definiert hat? Gab' es auch damals Menschen, die das nicht geschnallt haben (Beuss ist im 2WK abgestürzt und hat Fett als etwas elementares für das Überleben begriffen) und sich dann als "Kunstkritiker" versuchten?

    Man kann sagen: Ich mag diese Kunst nicht. Aber man kann nicht sagen: Das ist keine Kunst. Sobald ein Künstler etwas als Kunst definiert, ist es Kunst. Man mag dafür keine Millionen zahlen, aber es ist Kunst. Die Frage ob es ins Museum gehört, liegt bei der subjektiven Entscheidung eines Direktors, vielleicht eines Gremiums. Das mag vielen gefallen, vielen auch nicht, ebenfalls alles subjektiv. Es bleibt aber immer noch Kunst. Und ob es ins Museum "gehört" ist oft Sache der Besucherzahlen, leider. Ist wie beim ÖR-Fernsehen. Die Quote bestimmt die Kunst. Gott... Frosch bewahre.

    Vielleicht dauert es gar nicht mehr so lange, bis wir wirklich Rosam. Pilcher im Museum als Kunst anschauen dürfen... da schlecke ich lieber Aga-Kröten ab. Die Filme sind defintiv besser...
     
  10. edwin

    edwin New Member

    Ich werde dies wohl nie verstehen: Es wurde ein Punkt auf einem Papier gemalt. Fertig. Weil es von IchWeißNichtWer ist, zahlen Sammler Unsummen. Das gleiche Bild von einem Kind gemalt landet im Altpapier.
     
  11. Snorrt

    Snorrt New Member

    Genau da hast du deine Antwort. Was für die Kohle vor allem zählt, ist der Künstler. Nicht unbedingt in erster Linie (aber natürlich auch) die Kunst. Oder was ist nochmal der Hit an einem Haifisch in Formaldehyd? :D Damien Hirst dagegen hat das Viech für 9 Mio. Pfund versteigert.

    Gibt aber auch Gegen-Beispiele. Mondrian z.B. hänge ich mir gerne auf, obwohl ich ihn als Künstler jetzt nicht sooo berauschend finde. Und Delacroix hat m.E. einfach hammermässig "belichtet" - dafür würde ich auch fett Kohle raushauen, wenn ich sie denn hätte, einfach weil ich die Bilder so absolut genial finde. Die Bilder von VanGogh finde ich auch mal absolut faszinierend, mal total fade. Und ob er nun zuviel Deckweiß gefressen hat oder nicht, interessanter Typ war er allemal. Ich glaube dass bei Sammlern nicht nur der Finanzaspekt zum Tragen kommt, sondern auch ein stückweit die Geschichte. Etwas besitzen, berühren zu können, was jemand vor 20, 50, 200 Jahren geschaffen hat. Ein chronisch pleite schaffender, durchgeknallter Künstler mit Bleihirn und einem Ohr z.B. :biggrin:

    Neulich lief auf arte die Doku zu einem französischen (?) Fotografen. Der hat in Israel an der Mauer auf der israelischen Seite lustige Portraits von Palästinensern aufgehängt (Zunge raus, Grimassen etc.) und auf der anderen (palästinensischen) Seite lustige Israeli-Portraits. In einer Nacht und Nebel Aktion, weil man die Mauer natürlich nicht bekleben darf. Geile Aktion, wie ich finde. Meine Bekannten fanden das teilweise einfach nur schlecht.

    Solange Kunst polarisiert, ist sie gut. Vor allem wenn über ihren Sinn gestritten wird ;)
     
  12. Schaumberger

    Schaumberger Wurschthaut, alte

    Wenn du allerdings der völligen Beliebigkeit entgehen willst dann MUSS es zumindest einige wenige Kriterien geben die Werk A von einem Werk B unterscheiden? Schließlich bleibt unterm Strich das Problem das ein Werk nur zum "Kunstwerk*" wird wenn sich mehr als eine Person darauf verständigen es als solches anzuerkennen. und für diesen Konsens muss es zwangsläufig Gründe geben, ob nun bewusst oder unbewusst. Meine ganz persönliche Sicht ist, das ein Werk dann zum "Kunstwerk" wird wenn es auf irgendeine Weise "besonders gut" ist, d.h. wenn es sich durch irgendeinen Aspekt von dem abhebt was jedem von uns möglich wäre, sei es durch das intelektuelle Konzept, die handwerkliche Meisterschaft, die Originalität, etc...


    Museumsdirektoren und Galeristen müssen tagtägliche entscheiden welche Werke für die Öffentlichkeit interessant sein könnten und erheben sie erst durch diese Entscheidung zum Kunstwerk (in den Augen der Öffentlichkeit).
    Die überwiegende Mehrzahl der Museums- oder Galeriebesucher orientieren sich am Urteil der Austellungsmacher, was im Museum von Alarmanlagen gesichert wird MUSS doch wohl wertvoll, besonders, erhaben sein, oder?


    *Kunstwerk, im sinne von erhabener/höherwertiger/reicher/besser/beachtenswerter als andere (alltägliche) Werke
     
  13. Schaumberger

    Schaumberger Wurschthaut, alte

    Es kommt ja schon ein wenig auf den Weg zum "Punkt" und die Umstände der Zeit an. Manche Dinge sind eben historisch relevant, weil sie das Denken über, und die Sicht auf die Kunst nachhaltig verändert haben.
    Un der andere große Aspekt ist eben reiner Starkult – warum prügeln sich kleine und große Mädchen um ein Autogramm von Robbie Williams? Was soll an dem Geschreibsel denn gut sein, klingt die Musik deswegen besser?
     
  14. edwin

    edwin New Member

    Einen Punkt auf das Papier zu malen ist einfach einen Punkt auf das Papier zu malen. Gestern, heute oder morgen. Und egal wie derjenige sich nannte.



    Eben. Es ist nur Starkult.
     
  15. Schaumberger

    Schaumberger Wurschthaut, alte

    Naja, ein Flug über den Atlantik ist heutzutage auch eher langweilig, trotzdem gilt Lindbergh als Pionier, vermutlich liegt seine Pilotenkappe auch irgendwo in einer Vitrine herum...

    Bei manchen Kunstwerken steht eher die Idee des Künstlers und seine Beharrlichkeit sie durchzusetzen im Vordergrund als das eigentliche Werk. Letzteres ist eben oft deswegen begehrt da es ein Zeugnis des historischen Ereignisses ist, weniger wegen seiner Qualität oder anderer Eigenschaften.
     
  16. Convenant

    Convenant Haarfestiger

    Dann geh’ ich mal davon aus, dass dir ready made auch nur irgendwelche Gegenstände sind.
     
  17. edwin

    edwin New Member

    Damals ein Abenteuer. Heute eine Art Starkult.

    Und das traut man als Erwachsener einem Kind in seiner Art nicht zu? Zu Erwachsen um kindisch sein zu dürfen, die die Welt halt noch mit anderen Augen wahrnimmt?
     
  18. edwin

    edwin New Member

    Wenn ein Lenker auf einem Stuhl montiert Kunst ist, dann ist die Natur die Künstlerin schlechthin. Allein die Farbspiele des Laubes im Herbst. Jedes mal einmalig. Oder die Flugbahnen der herbfallenden Blätter. Jedes mal einmalig. Und doch immer wieder schön anzusehen.
     
  19. Convenant

    Convenant Haarfestiger

    Oh, Weh! Dir entgeht aber etwas ganz wesentliches. Kunst kommt von künstlich. Hier wird etwas von einem denkenden Wesen absichtvoll erschaffen. Noch so prächtige Sonnenuntergänge, bunte Blätter und spritzende Gischt sind niemals Kunst.
     
  20. Schaumberger

    Schaumberger Wurschthaut, alte

    Das verstehe ich nicht? Es geht um die historische Dimension die mit einem Gegenstand (Hier ein Kunstwerk) verknüpft ist, diese übersteigt eben manchmal den "künstlerischen Wert" der Sache selbst. Die ersten Strichkritzeleien meines Sohnes habe ich auch aufgehoben, die aberhunderte die daraufhin folgten eher nicht...
     

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