wieder nur unteres mittelmaß

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von akiem, 22. November 2004.

  1. akiem

    akiem New Member

    bei der 2. weltweiten pisastudie hat deutschland wieder schlecht abgeschnitten. die deutschen schüler landeten in den 3 testdiziplinen nur in der unteren hälfte aller industrienationen.

    beim lesen und textverständnis, die schlüssposition für das lernen in schule und beruf, kommen die deutschen schüler gerade mal auf platz 20. jeder 4. ist zu dämlich einfachste texte zu lesen geschweige diese zu verstehen.

    in keiner anderen industrienation (ja die usa haben mitgemacht) ist die zahl der schüler, die nur das unterste testniveau erreichen, so hoch wie in deutschland. in keiner anderen industrienation haben arbeiterkinder so wenig chancen erfolgreich zu studieren, als in deutschland.
     
  2. curious

    curious New Member

    und?
    was schlägst du vor??

    dieses ganze deutschenglischmathe-geschisse dient doch wahrscheinlich wieder nur der Auslagerung von Bildungskompetenz, bzw. Vermittlung durch private Firmen...vorzugsweise einiger amerikanischer Firmen....
     
  3. akiem

    akiem New Member

    amerikanische firmen? so weit würde ich garnicht gehen. ich würde einfach mal schauen wie das unsere nachbarn machen. z.b. die finnen, die tschechen ja sogar die österreicher...
     
  4. starwatcher

    starwatcher New Member

    GEW: PISA ist «Quittung für richtungslose Werkelei»



    Berlin (dpa) - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat den Kultusministern Konzeptionslosigkeit bei der Schulreform vorgeworfen.

    Sollten sich die am Vortag bekannt gewordenen neuen deutschen PISA-Ergebnisse bestätigen, dann sei dies die «Quittung für richtungslose Werkelei» und für die ständigen Verschlechterungen der Lern- und Arbeitsbedingungen in den Schulen, sagte GEW- Vorstandsmitglied Marianne Demmer in einem dpa-Gespräch.

    Wenn weiter fast jeder vierte 15-jährige Schüler in Deutschland Probleme habe, selbst einfache Texte richtig zu lesen und zu verstehen, «dann muss das als Katastrophe gewertet werden», sagte die Gewerkschafterin. Niemand sollte jetzt auf die Idee kommen, «die Schuld bei Lehrern, Eltern oder Schülern zu suchen». Das GEW- Vorstandsmitglied wörtlich: «Pädagogische Aufbruchstimmung braucht einen anderen Nährboden als ihn die Kultusminister derzeit bereiten.»

    Zwischen der Veröffentlichung des ersten PISA-Schultestes im Dezember 2001 und der neuen PISA-Erhebung im Sommer 2003 seien fast 18 Monate vergangen. «Wertvolle Zeit zum Beispiel für Sofortmaßnahmen in der Lehrerweiterbildung, Zeit für ein groß angelegtes Lese- und Sprachförderprogramm vor allem in den Hauptschulen blieb ungenutzt», bemängelte Demmer. Wenn der PISA-Koordinator Manfred Prenzel jetzt behaupte, die unbefriedigenden Mathematik-Ergebnisse seien auf mangelnde Lese- und Verständniskompetenzen zurückführen, dann müsse man sich fragen, weshalb man ein solches Trainingsprogramm nicht einmal versucht habe.

    Auch bei dem zweiten weltweiten PISA-Schultest sind nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) die deutschen Schüler in allen drei Testdisziplinen nur in der unteren Hälfte der Leistungstabelle von 31 Industriestaaten. Beim aktuellen Schwerpunkt Mathematik konnten sie sich zwar um drei Plätze verbessern und belegen jetzt den 17. Rang. Beim Lesen und Textverständnis, die Schlüsselkompetenz für das Lernen in Schule und Beruf, kommen sie dagegen nur auf Platz 20.

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    Niemand sollte jetzt auf die Idee kommen, «die Schuld bei Lehrern, Eltern oder Schülern zu suchen...

    ja, wo denn dann? das elternhaus bildet das fundament; wenn hier bereits lernkontrolle versagt, ist der nährboden doch schon gelegt.

    "Schuld bei den lehrern"? Wofür soll man sie denn verantwortlich machen?


    "Schuld bei den Schülern?" Wohl in erster linie, wenn die faulen säcke nix tun wollen. Wie haben das denn generationen vor ihnen geschafft, nicht in der bedeutungslosigkeit zu versinken, sondern ein volk von dichtern und denkern hervorzubringen?

    Ich weiss nicht, wie repräsentativ tv-berichte über die unfähigkeit der deutschen schüler sind; man bekommt manchmal tränen in den augen, wenn man sieht, wie ihnen die dummheitaus allen körperöffnungen kriecht.

    Auf der anderen seite sehe ich in meinem persönlichen umfeld allerdimngs auch genau das gegenteil. Clevere, lernfähige und begeisterte schüler, die spass am unterricht haben und sich ein prima fundament für ihre zukunft legen.

    ich denke summa summarum, dass hier in erster linie das elternhaus gefragt ist und nicht der staat. Wenn eltern kein interesse an einer guten schulischen ausbildung ihrer kinder haben, ist der weg des kindes doch schon vorgezeichnet...
     
  5. safari

    safari New Member

    Tja, und täglich grüßt der PISA-Turm ;)

    Fundament im Elternhaus - sehr richtiges Argument. Leider ist unsere Gesellschaft aber darauf aus, dass Karriere + Familie ja unbedingt unter 1 Hut müssen! Meine Frau und ich haben uns ganz bewusst so eingerichtet, dass immer 1 Elternteil zu Hause ist (jaja, die Lernkontrolle). Das uns das wirtschaftlich nicht zum Vorteil gereicht ist klar, aber lieber 10 J. ohne Urlaub als sich irgendwann eingestehen zu müssen, dass es nur zu strunzdummen Kiddies gereicht hat ...

    Die Schulen bzw. die Lehrer. Muss ich mehr sagen? Jeder der sich das Trauerspiel anguckt kann nicht wirklich überrascht sein - Dank unserer 4 schulpflichtigen Kinder haben wir jetzt seit 8 J. Erfahrungen mit diesen Bildungsinstitutionen, durchaus auch in Elterngremien. Eine Gesellschaft, die versucht ist an der Resource Bildung zu sparen, wird auch keinen Erfolg haben - da helfen auch keine Alibi-Opfer wie 4 Mrd. Eus für eine sog. "offene Ganztagsschule". Diese Mittel dürfen nämlich nur für Infrastruktur (Gebäude etc.) verwendet werden - wovon das Personal für anfallende zusätzliche Stunden bezahlt werden soll, weiß nach wie vor Keiner so genau ...

    Übrigens: "Offene Ganztagsschule" ist eine freiwillige "Aufbewahrung" von Kindern - d.h. die Jugendlichen, die es wirklich nötig hätten zeigen den Schulleitern nur den berühmten Stin*finger ...

    Kleiner Nachtrag: Nachdem sich mein Vorschreiber doch recht positiv über z.B. Azubis geäußert hat, möchte ich da doch einhaken. Das was wir in unserem Betrieb erleben, ist leider nicht so positiv. Gerade von Azubis bzw. Praktikanten mit Abitur erwarten wir i.d.R. mehr Allgemeinbildung (Unser Urteil: Mangelhaft). Ebenfalls sollte ein Dreisatz unfallfrei gerechnet werden können - in 2 von 3 Fällen leider Fehlanzeige. Eines muss man den jungen Menschen aber wirklich attestieren - sie besitzen alle Ellenbogen, sprich ein grooßes Selbstbewusstsein. Auch wissen sie exakt über ihre Rechte bescheid (die Pflichten fallen allerdings gerne mal unter den Tisch)
     
  6. akiem

    akiem New Member

    das elternhaus als argument sehe ich auch mit an erster stelle.
    allerdings wird dieses argument für viele eltern sofort zweitrangig wenn das finanzielle argument ins spiel gebracht wird. studieren können viele, das studium ist aber in deutschland mittlerweile zu einem massenprodukt minderer qualität (im weltstandart) verkommen. DIE gute ausbildung ist für viele junge menschen nicht mehr finanzierbar. stipendium und firmensponsering hat ja bezeichnenderweise in deutschland keinen guten ruf. konsequenz ist die massenflucht hochrangiger techniker, ingeneure und wissenschaftler aus deutschland. nach deutschland winkt allerdings jeder ab. inder für deutschland war ja die blamage ansich.
     
  7. starwatcher

    starwatcher New Member



    ein ausgebildeter lehrer muss doch in der lage sein, wissen zu vermitteln; das kann doch nicht nur eine frage von geld sein. Schüler, die nicht lesen können, bedeutung von wörtern nicht verstehen; nicht 1+1 zusammenzählen können; wo kann ich da etwas mit geld lösen?
    Denke ich da zu naiv? Wie hat das denn vor 40 jahren funktioniert?
    Wir haben auf holzbänken gesessen; hatten gute lehrer, ein pausenbrot, und wenn man mal über die sträneg schlug, wurden einem auch mal die ohren lang gezogen, und zwar ohne dass es weh tat; der kasper stand mal für 10 minuten in der ecke.
    Was hat sich da bloss geändert, dass heute vieles gegen die wand fährt?
    Man kann doch nicht jedes problem mit geld lösen....
     
  8. akiem

    akiem New Member

    nicht jedes problem wird durch geld gelöst, das ist richtig. aber z.b. im falle eines jungen menschen der durch fleiß oder auch einfach durch begabung die vorraussetzungen hätte, bei dem sollte einfach nicht die finanzielle situation des elternhauses eine bremse sein.

    lehrerschaft wäre fast ein eigenes thema wert. höchstbezahlter standart, mit den meisten urlaubtagen, der miesesten wissensvermittlung. jenseits von jeder leistungskontrolle aber der schnellsten frühverrentung im internationalen vergleich. ich glaube sie werden nur von den schweizern übertroffen, im gehalt auf jeden fall.

    wenige ausnahmen bestätigen die regel.
     
  9. mikrokokkus

    mikrokokkus New Member

    "ich glaube sie werden nur von den schweizern übertroffen, im gehalt auf jeden fall."

    Und von den von dir oft erwähnten Audiwerkern am Fließband – wenn die in einem anderen Thread von dir genannten Zahlen stimmen.

    Ich wüsste übrigens ein todsicheres Mittel, die Bildungsqualität in Deutschland zu verbessern – kostet allerdings viel Geld:
    Den Klassenteiler runter auf maximal 18 Schüler!
     
  10. RaMa

    RaMa New Member

    dann würden weniger schüler bei den gleichen unfähigen, ihren bildungsauftragsvergessenhabenden Lehrern, gleich wenig lernen.
     
  11. akiem

    akiem New Member

    könnte passieren.

    ach übrigens glückwunsch zum pisaergebnis der österreichischen schüler.
    respekt.
     
  12. starwatcher

    starwatcher New Member

    rennen wir die gleiche tür ein...
    Ich verfolge das thema auch nur sporadisch (wir haben keine kinder); habe aber den eindruck, dass das monetäre problem in der bildungs- und nicht in der sozialpolitik aufgehängt wird.
    Wieso muss ein lehrer zusätzliche ausbildungsmassnahmen bezahlt bekommen um den schülern rudimentäres wissen zu vermitteln? Sind das genausolche deppen? kann ich mir nicht vorstellen.
    Einige hier aufgeführte argumente wie zB verringerung der klassenstärke kannn ich mit dem verstand ja noch nachvollziehen.
    Aber, da wo es wirklich hapert, ist doch wohl in erster linie der schüler gefragt und nicht der lehrer. irgendwie dreh ich mich im kreis; aber den lehrer seh ich an letzter stelle...
     
  13. starwatcher

    starwatcher New Member

    ich habe keinen blick auf details der studie geworfen. Weist die tatsächlich auch lehrern unfähigkeit in der wissensvermittlung nach?
     
  14. akiem

    akiem New Member

    die deutsche lehrerschaft hat 2003 die teilnahme an der internationalen pisastudie für lehrer verweigert. frag mich jetzt nicht warum.
     
  15. starwatcher

    starwatcher New Member

    tja, sag ich mal wieder : onni swa ki malli pons
     
  16. Schaumberger

    Schaumberger Wurschthaut, alte

    Dieser Punkt wird leider nur zuoft vergessen: Heute sitzen in einer durchschnittlichen Gymnasialklasse 33-35 Schüler! Man soll sich mal überlegen wie sich das auf den Unterricht, die Korrekturzeiten, die Unterrichtsvorbereitung und das berühmte Eingehen auf den Einzelnen auswirkt. (z.B. im Vergleich zu einer Klasse mit 25 Schülern). (Und übrigens: Ohren ziehen und Eckestellen bringen einen Lehrer im Gegensatz zu früher ganz schnell vor einen Untersuchungsausschuss)
    Nebenbei darf man dann noch die massiv erhöhte Zahl an Klausuren, Übungsklausuren, JahrgangstufenTests usw. in diese Überlegungen miteinbeziehen.
    Wen z.B. Herr Stoiber die Investition in Bildung proklamiert, dann meint er damit die Reduzierung von Lehrerstellen, eine Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld bei gleichzeitiger Erhöhung der Wochenarbeitszeit um 2,5 Stunden. Und das während in in bayerischen Schulen die Schüler ihre heruntergekommenen Klassenräume mit selbstgekaufter Farbe renovieren müsssen, um nicht in Dreck und Schimmel unterzugehen...

    Super Bildung, Super Investition...
    :wuerg:
     
  17. SecretSurfer

    SecretSurfer New Member

    Vor allem nicht "wie"! :D
     
  18. akiem

    akiem New Member

    och die bayern und schwaben stehen im ländervergleich blendend da.
    sie haben sich einen ganz bescheidenen platz erlernt.
    platz 1
    und
    platz 2

    das ist aber schon seit jahrzehnten so.
     
  19. starwatcher

    starwatcher New Member


    ...«Wertvolle Zeit zum Beispiel für Sofortmaßnahmen in der Lehrerweiterbildung, Zeit für ein groß angelegtes Lese- und Sprachförderprogramm vor allem in den Hauptschulen blieb ungenutzt»

    ich muss da jetzt nochmal nachfragen. Das ist doch rumdoktorn (oder rumdoktern?) an der wirkung und nicht an der ursache.
    Ich verstehe hier irgendwie das ziel nicht mehr. Wo soll denn investiert werden. Weiss das einer?
     
  20. safari

    safari New Member

    Das Hauptproblem der Lehrer sind einfach nur wenige harte Fälle, die id.R. nicht mehr beschulbar sind. Diese können aber den Unterricht in einer Art und Weise torpedieren, dass die "willigen" Schüler in ihrem Lernerfolg gefährdet werden. In z.B. Schweden gibt es für diese Fälle hauptamtliche Erzieher ohne regulären Unterrichtsauftrag (Mathe, Englisch etc.). Diese versuchen auf der einen Seite den Lehrern die Möglichkeit zu geben sich um die anderen Schüler adäquat zu kümmern und andererseits mit den Problemfällen die vorhandenen Probleme aufzuarbeiten. Das kann nicht im normalen Unterricht geschehen. Das ist nur ein Anhaltspunkt wo es mangelt.

    Ein weiterer Punkt: Z.Zt. bin ich der "Geldverdiener" und meine Frau ist zu Hause. Das darf sie aber gar nicht laut sagen und wenn, ist die Replik: "Ach, Du bist _nur_ Hausfrau - also das wär mir ja zu wenig. Und wie kommt ihr mit dem Geld hin? Also ohne meinen Dazuverdienst hätten wir uns keine 2 Wochen Griechenland leisten können ..." Der letzte Teil mit einem jovialen Gelächter rübergebracht. Was will ich damit sagen? Jede Avon-Beraterin genießt ein größeren Respekt als eine Mutter die nur ihre Kinder auf eine Zukunft vorbereitet.

    Geld löst nicht wirklich alle Probleme und ich empfinde die Lehrerbezahlung für die erbrachten Leistungen auch als "fürstlich". Allerdings haben meine Gespräche mit dem Rektor und Konrektor einer Grund- und Hauptschule teilweise gruselige bürokratische Hemmnisse zu Tage gefördert. Von der Personalausstattung und dem Verfahren dazu will ich gar nicht erst anfangen.

    Natürlich war früher alles besser - oder nicht? Fakt ist, unsere Gesellschaft ist heute viel komplexer und nicht nur den Kindern, sondern vor allem den Eltern, fehlt meist eine "Medienkompetenz" - wer kennt sie nicht, die Familien wo die kleinen "Quälgeister" vorm Fernseher/Video ruhig gestellt werden, und die Eltern, denen die Doku-Soap wichtiger erscheint als das Gespräch mit den eigenen Kindern ...
     

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