Willkommen im 21.Jhdt.: Sonderzeichen

Dieses Thema im Forum "Software" wurde erstellt von Giacomo Seingalt, 23. Juli 2008.

  1. Giacomo Seingalt

    Giacomo Seingalt New Member

    In meiner Firma betreiben wir 3 Betriebsssteme: MacOS X, Windowas XP und Linux (Server).

    Nachdem der alte Server den Geist aufgab, stellte ich aus dem BackUp die Daten wieder her, mittels Retrospect - soweit ich weiss ohnehin eines der wenigen Lowcost-BackUp-Systeme, welches alle 3 Systeme unterstützt.

    Das bei vielen Dateien der Creator weg war, und aus ihnen eine "Ausführbare UNIX-Datei" wurde, daran konnten wir uns ja noch gewöhnen. Denn durch raten, um was für eine Datei es sich handelt und über Gekurbel übers Menü ("Alle Dateien") lassen sie sich öffnen.
    Was aber nervt: Es hat in den Dateien alle Sonderzeichen zerschossen und durch "Angström-" und "Yen-" Zeichen ersetzt.

    Klar stelle ich mich hin und sage meinen Grafikern und anderen Mitarbeitern mit erhobenem Zeigefinger: "Du, du, du - niemals sollst Du wieder Sonderzeichen in Dateinamen verwenden." Und bin dann automatisch (und zu Recht !) wieder der böse Jammeronkel, der allen nur wieder das Leben schwer macht.

    Ich meine: Wir leben jetzt im 21.Jhdt., und wir haben Microcomputer seit über 25 Jahren. Es sollte doch jetzt mal wirklich möglich sein, systemübergreifend mit Sonderzeichen arbeiten zu können. :meckert:
    Auf ein ß kann ich ja verzichten, aber Wortungetüme wie "Oestrogenbroschuere" oder "Raetselloesungen" - das kann's doch wirklich nicht sein.
    Hey, die Buchstaben ä,ö,ü gibt's nicht nur im Deutschen, sondern im Türkischen, Ungarischen, Estnischen, Schwedischen, Finnischen, Isländischen und weiss der Kuckuck wo sonst noch - zusammengerechnet min. über 300 Millionen Menschen - was soll das eigentlich ?
     
  2. kakue

    kakue New Member

    vielleicht die Erklärung:
    Mac OS X ist als "moderneres" Betriebssystem in seinen Wurzeln etwa 15 bis 20 Jahre älter als das klassische Mac OS.

    Was nützt es Dir, wenn Du die Systemuhr um Jahrzehnte vorstellst, wenn das Betriebssystem in seinem Kern noch im Flower Power steckt??
     
  3. edwin

    edwin New Member

    Oder nimm mal Websiten oder Worddateien und vergleiche deren Darstellung auf den verschiedenen Computern und Browsern / Programme.
     
  4. Giacomo Seingalt

    Giacomo Seingalt New Member

    Das ist genau so eine Unverschaemtheit.
    Das Internet entstand in den 90er Jahren, die Sonderzeichenproblematik war damals bereits bekannt. Man haette schon damals die Problematik der Sonderzeichen von Grund auf angehen koennen.
    Die Amerikaner zucken mit den Schultern, fuer die ist das ein europaeisches Problem. Sie sollten sich einmal vorstellen, wir wuerden sie noetigen, den Buchstaben "y" einfach nicht zu verwenden und durch z.B. "ji" zu ersetzen.
     
  5. ichnicht

    ichnicht New Member

    Wenn Englisch keine Primitivsprache geblieben wäre wäre das Leben leichter.
     
  6. edwin

    edwin New Member

    :confused:
     
  7. mac-christian

    mac-christian Active Member

    Dein Vorredner meint, dass Englisch leider keine derart modernen und eigentlich unverzichtbaren Buchstaben wie ß, ä, ö, ü... hat.
    :nicken:
    Christian
     
  8. mac-christian

    mac-christian Active Member

    Hat man doch - es gibt für alle Sonderzeichen HTML-Entitäten, z.B. ß für ß, ä für ä, etc.

    Was soll dein Gejammer?

    Christian
     
  9. ichnicht

    ichnicht New Member

    So vor 1000 Jahren? gab es in England ein Sprachenwirrwarr aus vielen Europäischen Sprachen. Da gab der damalige König den Mönchen ( der Kirche ) den Auftrag die Wörter die von Allen verstanden wurden aufzuschreiben. Daraus wurde Englisch gebildet, in ca. 40 Jahren wurde diese Sprache im gesamten Land ( England ) gesprochen.
    Als eigenständige Sprache kenne ich auf der Insel nur Schottisch und Walisisch.
     
  10. MACaerer

    MACaerer Active Member

    Hallo
    So etwas ähnliches gab es auch vor rund 500 Jahren in Deutschland. Das Deutsche Reich war damals in unzählige Kleinstaaten aufgeteilt mit ebenso vielen Dialekten. Erst Martin Luther hat daraus eine einheitliche Sprache geformt, dem Ururahn unseres heutigen Hochdeutsch. Er hat es gebraucht um die Bibel aus dem Lateinischen ins Deutsche zu übersetzen.
    Zurück ins heute: Das Problem liegt in dem mittlerweile uralten ASCII-Code aus der Zeit der Teletexter. ASCII hatte ursprünglich einen Adressraum von 7 bit, d. h 128 Textzeichen. Das waren die Groß- und Kleinbuchstaben, die Satzzeichen und einige Sonderzeichen sowie Steuerzeichen für die Fernschreiber. Erst nachdem ASCII auf 256 Zeichen erweitert wurde, sind die diversen Sonderzeichen, Umlaute etc. hinzugekommen. Leider sind die zweiten 128 Zeichen nicht normiert und Windows bzw. Mac verwenden seit jeher unterschiedliche Codes für diese Zeichen. Beim Übertragen von reinem ASCII-Text von einer Plattform in die andere gibt es dadurch immer wieder Probleme.

    Gruß
    MACaerer
     
  11. Giacomo Seingalt

    Giacomo Seingalt New Member

    Die Tags sind mir bekannt - dass sie aber immer und überall funktionieren würden, aber leider nicht.
    Das Internet ist für mich in dieser Angelegenheit eh nur ein Nebenschauplatz.
    Mein erstes Posting bezog sich im Wesentlichen auf Probleme in gemischten Netzwerken.

    @MACaerer
    Die historischen Hintergründe der Sonderzeichen-Problematik sind mir bekannt. Aber nur, weil das einmal so war, heisst das ja noch lange nicht, es müsste bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag so weiter gehen.
    Und letzten Endes ist mir das auch egal.

    Wir haben in den letzten Jahren das Erscheinen mehrerer neuer und revolutionärer Betriebssysteme zur Kenntnis nehmen dürfen: MacOS X, Linux und letztlich Windows Vista. Bunte Spielereien, animierte Desktops usw. usf. sind Standard geworden und man kann davon ausgehen, das o.g. Plattformen auch in den nächsten Jahrzehnten tragende Rollen spielen werden.

    Das es dennoch noch im Alltag zu Problemen mit Sonderzeichen kommt, und zwar in einem Maße, dass ich meinen Kollegen schließlich den völligen Verzicht dieser in Dateinamen aufbürden muss ... das ist doch ein lächerliches Armutszeugnis. Das ist, als ob man ein Auto fährt mit ABS-System, Airbag und Car-Elektronik, aber man steuert es noch immer mit einem Holzlenkrad und Seilzügen.
     
  12. Jasmin

    Jasmin IT-Kritikerin

    Wie müssten da erst die Franzosen jammern – mit all ihren Akzenten, Zirkumflexen, Zedillen etc.pp. Oder gar die Chinesen (Drittel der Menschheit) mit all ihren ... Doch lassen wir das. Zurück zum Thema: Wenn wirklich alles als Sicherheitskopie vorliegt (z.B. auf Spiegelungs-HD), dann kann auch absolut alles hundertprozentig wiederhergebracht werden.
     
  13. Convenant

    Convenant Haarfestiger

    Hätten wir uns in den 30ern und 40ern des letzten Jahrhunderts weniger mit Weltkriegerei und mehr mit Informationstechnik beschäftigt, so gäb’s heut kein ASCII sondern DSCZIA. Und alle Umlaute und lustige Ligaturen wären schon mit bei.
     
  14. Giacomo Seingalt

    Giacomo Seingalt New Member

    Sollte man meinen. Aber offenbar war die BackUp-Software Retrospect (läuft bei uns auf einem PC) da anderer Meinung. Oder Linux war es.
    Jedenfalls wurde aus "groß" dann "groß" und aus "Broschüre" wurde "Broschüre". Will ich z.B. Quark XPress - Dateien verwenden, die auf Bildern mit solchen Namen zugreifen, dann muss ich die Namen erst ändern, sonst kann ich sie nicht aktualisieren.

    Die unsichtbaren Dateien unter UNIX (die, wenn ich es richtig verstanden habe, für die Ressourcen zuständig sind), hat Retrospect mir zwar auf den neuen Linux-Server wiederhergestellt ... nur konnten die Macs offenbar damit nichts anfangen, denn die Creators und in den meisten Fällen auch die Icons waren weg. Meine Vermutung ist, dass kein Bezug mehr zwischen den Resourcefiles und der Datei hergestellt werden konnte, da die Pfadstrukturen auf unserem neuen Server andere sind als auf dem alten. Folgerichtig lassen sich die Dateien nicht mehr via Doppelclick öffnen, sondern nur über Gekurbel über die Menüs der Programme. Befragte "Experten" (Linux/MacOS) zuckten nur mit den Schultern unter Verweis auf das jeweilige andere System.

    Soviel zum Thema "wiederherbringen".
     
  15. Giacomo Seingalt

    Giacomo Seingalt New Member

    Richtig, und mit genau derselben Berechtigung. Schließlich sind sie die Kunden dieser Systeme und ihre Sprachen haben hinreichend weite Verbreitung.
    Und Unicode gibt's schon seit 1991 - mehr als 15 Jahre. Wenn's darum geht, ein kostenpflichtiges Upgrade herauszubringen, ist die Software-Industrie ja auch jedes Jahr erneut am Start.
     
  16. Jasmin

    Jasmin IT-Kritikerin

    @Giacomo: Mit CarbonCopyCloner hatte ich nie Spiegelungsprobleme. Wenn Ihr allerdings mit der Windows-Version einer Spiegelungssoftware die Inhalte des Mac-Systems etc. mitsichern wollt, dann muss man sich nicht wundern, wenn diverse systemabhängige Ressourcen fehlen oder geändert werden. Ergo: Vorher genauer informieren, ob die Retrospektversion sowas beherrscht. In Eurem Fall würde ich für jedes einzelne OS eine jeweils bewährte Sicherungssoftware nutzen (CCC ist z.B. kostenlos).
     
  17. Giacomo Seingalt

    Giacomo Seingalt New Member

    Retrospect verspricht so etwas - Mac/PC/Linux. Die Konfiguration des BackUps sieht auch macspezifische sowie PCspezifische Einstellungen vor. Ach und ganz nebenbei: Zuerst haben wir die Daten - von der noch funktionierenden Festplatte des alten Servers -direkt ausgelesen, übrigens mit demselben Ergebnis. Das brachte mich überhaupt erst auf die Idee, die Daten aus dem BackUp wiederherzustellen. Mit Retrospect hatte ich in der Vergangenheit auch über Jahre gute Erfahrungen gemacht, allerdings mit der Mac-Version dieser Software.

    Für jedes OS eine eigene BackUp-Software einzusetzen, ist auf den ersten Blick keine schlechte Idee, ob es aber praktisch ist, steht auf einem anderen Blatt. So wie das Netzwerk hier aufgebaut ist, ist es wahrscheinlich so auch gar nicht möglich, denn alle Arbeitsplätze (ca. 10) benutzen einen Server und schreiben ja somit auch eigene Dateien drauf.

    Für kleine Werbeagenturen im Printsektor wie uns ist das Thema BackUp - so mein Eindruck - offenbar nicht wirklich ausgegoren. Einerseits haben wir relativ große Datenmengen, eine Erfordernis aus den notwendigen Bildauflösungen und der Tatsache, dass aus einem einziges Fotoshooting schon mal 100 GB Daten entstehen. Um mindestens zwei Betriebssysteme kommt man i.d.R. auch nicht herum. Darüber hinaus ist ein Komplett-Datenverlust im Betrieb einer Werbeagentur wahrscheinlich mit der Firmenschließung gleichzusetzen. Vertraglich allein müssen wir die Daten der letzten drei Jahre jederzeit zur Verfügung stellen können, in der Praxis aus Service auch darüber hinaus.

    Was viele übrigens bei BackUp-Strategien nicht berücksichtigen: Es kann nicht nur mal ein Server o.ä. ausfallen - man stelle sich einmal vor, die Bude brennt über Nacht ab oder es wird eingebrochen und der Rechner geklaut (das ist Kollegen von mir mal passiert). Rechner und Notbetrieb lassen sich schnell organisieren, aber die Daten von Jahren neu wieder aufzubauen ...
    Da Bandlaufwerke entweder nicht die benötigten Kapazitäten bieten oder aber sehr teuer sind, spiegeln wir die Daten auf Festplatten - und das auf zwei identische Sätze, denn einmal in der Woche tausche ich sie aus. Ein Satz wird dann ins Nebengebäude gebracht, damit die Daten auch im Fall eines Einbruchs/Brand wiederherstellbar sind, wenn auch im ungünstigsten Fall mit einer Woche Rückstand. Nun gut, wenn ein Meteorit auf's Viertel fällt, kann ich auch nichts mehr machen ...
    Für jedes System ein eigenes BackUp-System einzusetzen, würde diesen Aufwand verdreifachen, ganz davon abgesehen, dass man sich eben auch darum kümmern und das organisieren muss.

    Ein anderes Problem ist, dass auch der beste und größte Server irgendwann einmal von Daten entlastet werden muss, da sonst der Server oder auch das BackUp überläuft. Die Daten sind älter, werden aber dennoch hin- und wieder benötigt, und das an allen Workstations.
    Bisher löse ich das mit DVDs und wer einmal z.B. 100 GB auf DVDs befördert hat, weiss, wie aufwendig das ist. Noch dazu brenne ich auch diese doppelt, um eine Version des Archivs im Nebengebäude zu haben. Der Tip, stattdessen doch Festplatten zu verwenden ist naheliegend, führt aber nicht wirklich zum Erfolg. Denn im Alltag kann jeder schnell mal Daten von einer DVD lesen, aber ständig eine Festplatte kursieren zu lassen, die an- und abgestöpselt werden will, ist unpraktisch und somit wenig hilfreich.
    Die Katalogisierung der Daten - ich bin mittlerweile bei DVD 158 angelangt - ist das nächste Thema. Ich setze zu diesem Zweck eine selbstgeschriebene Software ein, die wenigstens die Basisinformationen der DVDs ausliest, nach verschiedenen Kategorien sortiert und Listen erstellt, in denen die Kollegen suchen können. Das funktioniert soweit ganz gut - wenn man die Dateinamen, Job-Nr. o.ä. kennt, was glücklicherweise meist der Fall ist.
    Es hilft nicht weiter, wenn der Kunde anruft und sagt: "Vor einem Jahr hatten wir da dieses Bild mit dem Hund ..."
    Es gibt solche Katologisierungs-Systeme, von Canto, von Extensis. Canto gibt sich mittlerweile mit Software-Verkäufen unter 20.000 Euro nicht mehr ab. Von Extensis Portfolio gibt es eine Einzelplatz-Version für ca. 300 Euro, da dürfte aber einer bei Anfragen dann immer den Bibliothekar spielen.
    Oder die Netzwerk-Version - 3.000 Euro. Erzähl' mal Deinem Chef, du würdest jetzt gern 3.000 Euro ausgeben, damit wir die Bilder schneller finden.
     

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