Zum Geburtstag viel Freud

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von maiden, 29. Juni 2004.

  1. maiden

    maiden Lever duat us slav

    Internet ist eine feine Sache.
    Ohne den Hintern heben zu müssen kann man sich über alles Mögliche und Unmögliche informieren oder in fernen Ländern Hotels buchen.
    Daß neue Techniken auch Schwierigkeiten in sich bergen und gerade in den letzten Jahren das Schlagwort der Internetkriminalität die Runde macht, ist eine zwar unangenehme Sache, aber man muß sich bisher jedenfalls damit abfinden. Obwohl ich ja der Meinung bin, daß auch hier knallharte Gesetzte folgen werden und müssen, die dem Betrug im Internet wirksam entgegentreten. Dann ist zwar wieder ein Bereich erfaßt wo die Freunde allzu liberaler Gesinnung, oder was sie dafür halten mögen, etwas zum Krakeelen haben, wenn sie sich über die Regelungswut im ganzen aufregen. Dem gegenüber steht aber wie immer die Tatsache, daß Gesetze eine Folge von Mißbrauch sind und nicht umgekehrt.
    Vielleicht bekommt man es auf diese Weise irgendwann in den Griff, daß Mogelpackungen nicht mehr nur im Supermarktregal verboten werden sondern auch im Internet.

    Ganz entspannt wollten wir zwei Tage angehen lassen. Der erste ein Sonntag und gleichzeitig der einzige der drei „Wochenendtage“ Freitag, Samstag, Sonntag wo ich mal Zeit habe. Der andere Tag, der Montag und gleichzeitig Geburtstag meiner Holden.
    Ein bissel ins Grüne fahren, die Sonne genießen, gutes Essen, schöne Landschaft, entspannen.

    So drückt man frohen Mutes auf den Startknopf des Rechners, wählt sich ins Weltnetz ein, in dem ja alles zu finden ist, gibt bei einer Suchmaschine „Elsass“ ein und freut sich über ein umfangreiches Suchergebnis.
    Dabei hat sich meine Suche auf die Gegend um Barr konzentriert. Barr ist zwar nur ein kleiner Ort aber er hat doch einige Hotels und sein Stadtbild ist an einigen Stellen mit einem gewissen Charme behaftet. Fachwerkhäuschen sind immer nett anzuschauen und die Umgebung lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein. Zudem kann man Ausflüge tiefer ins Elsaß unternehmen oder die Rheinebene besuchen. Leckere Flammkuchen sollten uns kulinarisch begleiten. Mein Magen hat sich schon die ganze Zeit darauf gefreut. Von Barr ausgehend wollten wir über Strasbourg und am Rhein entlang letzte Station in Roeschwog machen, bei Wilhelm diese köstliche Speise schnabulieren und dann durch den Schwarzwald zurück Richtung Stuttgart fahren.

    Zuerst aber mußte mal ein Hotel gefunden werden.
    Viele Hotels haben bereits Internetpräsenzen, einige sind sogar sehr ansprechend gemacht.
    Die Zimmer machen einen ausnahmslos guten Eindruck. Preise um die 75 bis 140 Euro waren der Standard. Ein bißchen viel, dachten wir, aber für eine Nacht und bei dieser Ausstattung. Da waren dick gepolsterte Sessel und Stühle abgebildet, dicke Vorhänge und Teppiche, schön ausgestattete Zimmer, angenehme Farben. Alles machte den Eindruck einer gemütlichen Gediegenheit, wo nur noch der Butler mit dem silbernen Tablett fehlt, der den Tee kredenzt.
    Da sollten Preise bis 99 Euro nicht zu viel sein, zumal ja Geburtstag war und wir es uns gut gehen lassen wollten.

    Also fällt die Wahl auf eines jener Etablissements mit dicken Vorhängen, dicken Polstern, Himmelbetten, dicken Teppichen, warmen Farben und schönen Bildern an den Wänden. Auf den Butler können wir verzichten. Er würde uns ohnehin nur stören. ;-)

    Wir rufen an, das Zimmer ist frei, kostet 75 Euro, Frühstück extra. Dusche genügt.

    Wir fahren los.
    Bei Rust verlassen wir die Autobahn. Die Dörfer in der Rheinebene werden von einem Menschenschlag bevölkert, der sich in den Häusern verbirgt und nicht auf der Straße blicken läßt. Sie wirken wie ausgestorben.
    Die einzigen Lebensäußerungen stammen von den lärmenden Besuchermassen des Europaparks Rust, wo man für einen Haufen Geld Unterhaltung finden kann.
    Was machen wir dort? Nun, ich hatte die glorreiche Idee, mal wieder und nach vielen Jahren einen Spaziergang durch´s Taubergießen zu machen. Das ist ein Auwaldgebiet bei Rust in dem man seltene und andernorts von uns Menschen bereits ausgerottete Tier- und Pflanzenarten bewundern kann. Das Taubergießen ist von Wasserläufen durchwirkt, die klares Wasser führen. Seltene Orchideen stehen auf nichtgedüngten Wiesen. Den Besucher empfängt ein Konzert an Vogelstimmen, wie er es noch nie oder schon lange nicht mehr erleben durfte. Tümpel und Seen bergen eine erstaunliche Lebensvielfalt. Dazu zählen auch die allseits beliebten Steckmücken, die sich besonders gerne am Blut junger Frauen zu laben scheinen. Mich jedenfalls, lassen sie weitestgehend in Ruhe. Daher konnte ich auch recht entspannt genießen, während meine Holde wild um sich schlagend und immer saurer werdend voranstapfte. Nach nur einer halben Stunde geben wir auf. Sie, weil die geröteten Pusteln an Armen und Beinen kein schönes Bild abgeben und die nimmermüden und nicht aufgeben wollenden Verursacher mittlerweile alle Freunde und Verwandte benachrichtigt zu haben scheinen. Mich lassen sie in Ruhe. Trotzdem hat sich meine Entspanntheit gelegt. Inzwischen hat sich meine Holde auch die Fersen blutig gelaufen, weil bei der Wahl des Schuhwerks Schick vor Praktisch kommt und Naturschutzgebiete im Allgemeinen aus bequemen und kurzen Wegen bestehen.
    Um die Situation nicht eskalieren zu lassen, SIE hat bereits einen hochroten Kopf, treten wir den Rückweg an. Um uns zu verlaufen, nehmen wir eine vermeintliche Abkürzung, die den Spaziergang nur leicht verlängert.
    Nach einer Stunde sind wir am Ausgangspunkt angekommen. Ich gespannt, was wohl nun folgen wird, sie mit hochrotem Kopf, einigen Pusteln, blutigen Versen.

    Es folgt was zu erwarten war. Warum so viele Mücken, obwohl es dieses Jahr gar nicht so viele sein sollen, warum solche Wege und überhaupt, ich sei schuld, schließlich bin ich ja vor 10 Jahren schon mal hier gewesen und müsse mich auskennen.
    Und dabei hatte ich ihr vorher beschrieben, daß es sich um ein Naturschutzgebiet und eines der wenigen verbliebenen Auwaldgebiete handelt. Aber für einen Stadtmenschen mag ein Auwald ja was ganz anderes sein als ein von Wasserläufen durchzogenes Waldgebiet mit, um diese Jahreszeit typisch, plagenden Insekten.
    Andere Besucher machen um diese Zeit sogar Kahnfahrten durch das Gebiet.
    Und mich lassen sie ja auch in Ruhe, die Mücken.

    So steigen wir ins Auto und fahren über den Rhein ins Elsass. Die Fähre kostet nichts. Ein Wunder in heutigen Zeiten. Drüben angekommen, sind die Dörfer ebenfalls wie ausgestorben. Liegt´s an der Hitze oder an den Fremden? Es läßt sich kaum jemand auf der Straße blicken.
    Irgendwann am Nachmittag kommen wir in Barr an und finden auch gleich unser Hotel.

    Nun macht man ja beim Betrachten von Bildern in Prospekten oder Internet ohnehin schon Abstriche, weil man davon ausgehen kann, daß der Urheber dafür Sorge trägt, daß das Motiv im optimalen und nicht immer realistischen Licht erscheint. Was wir aber jetzt zu sehen bekamen, ließ die Vermutung zu, daß die Bilder unseres Internet-Hotels aus einer Zeit stammen mußten wo deutsche Truppen das Land noch nicht besetzt, und die Alliierten es folglich noch nicht befreit hatten. Inzwischen hatte das Haus dem äußeren Anschein nach allerhand erlebt.
    Durch die Fenster im Obergeschoß konnte man unschöne Vorhänge und häßliche Deckenlampen sehen, die so überhaupt nicht zu den im Internet gezeigten Bildern passen wollten. Um das Haus herum die französisch typische Schlampigkeit.

    Schnell war der Entschluß gefaßt, sich erst mal im Ort nach anderen Möglichkeiten umzusehen, bevor wir unsere Ankunft zugaben.
    Domaine St. Ullrich hört sich auch gut an und im Internet (!) präsentierte sich auch dieses Hotel recht ansprechend. 85 Euro waren auch gerade noch annehmbar. Zufällig war auch noch ein Doppelzimmer frei, das wir uns vorsichtshalber vorher zeigen ließen. Man präsentierte uns einen Schuhkarton mit Bett und Klo. Frühstück geht extra.
    Ich bin auch gar nicht weit ins Zimmer hineingegangen, einmal weil die gegenüberliegende Wand nach höchstens 2,5 Metern den Raum begrenzte und zum anderen weil bereits beim Betreten der Filzteppich unangenehm auffiel, auf dem ich mit Sicherheit keinen einzigen Schritt ohne Schuhwerk gehen wollte. Das Bett befand sich eine Treppe höher. Auf der dritten Stufe stehend konnte ich alles überblicken und ging rückwärts wieder aus dem Zimmer. Umdrehen war ohnehin nicht möglich.

    Danke, wir melden uns wieder, tschüß.
    Dieses Hotel hatte von was weiß ich wem drei Sterne erhalten, mit denen es warb. Unser erstes Hotel hatte zwei. Damit stand auch schon fest, daß es kein Zurück geben konnte.

    Auf zum nächsten Hotel. Schon etwas weiter aus dem Ort raus und fast im Wald gelegen, finden wir ein ansprechendes Haus vor, mit gepflegtem Garten und angenehmer Umgebung. Auch innen macht das Haus einen guten Eindruck. Vermutlich sind auch deshalb alle Zimmer belegt. Pech gehabt. Oder Glück? Man weiß es nicht.

    Wir fahren aus dem Ort hinaus zu einem weiteren Hotel, das sich als altes Gemäuer aber nicht ohne Charme präsentiert. Zwei Türme an den Giebelseiten des Hauses lassen es wie ein Burggemäuer erscheinen. Wie wir später erfahren ist das Gebäude etwa 150 Jahre alt, die beiden Türme sind neueren Datums. Leider verliert das Haus bei genauerer Betrachtung viel von seinem Charme. Einmal weil die Bauarbeiter, oder wer immer DAS verbrochen hat, bei der Verfugung der Natursteine an der Außenwand derart schlampig gewurstelt haben, daß es einem die Tränen in die Augen treibt. Der größte Teil des Mauerwerks ist von dicken Betonschichten zugekleistert, die Fugen bald dicker als der damit zusammengehaltene Stein. Traurig. Wie man durch Pfusch und Schlamperei ein solches Gebäude derart versauen kann.
    Das Haus verfügt über etwa 10 Zimmer, wobei die teuersten (140 Euro) die beiden Turmzimmer sind, die sich, turm-typisch, über drei Etagen erstrecken und zumindest im Prospekt (!) sehr geräumig erscheinen. Ein Garten schließt sich ans Haus an. Vom Garten kann man über das Schwimmbad an der Sauna vorbei das Haus auch betreten.

    Außer den Turmzimmern verfügt das Haus über Standardzimmer. Was immer das auch sein mag, und Zimmer mit Wintergarten. Leider ist nur ein Doppelzimmer mit Wintergarten noch frei. 99 Euro soll es kosten. Wir schauen es uns an. Der Boden gefliest, ein Bad mit kleinem Whirrlpool, der Wintergarten ein Wintergärtlein aber alles sauber.
    Trotzdem ist es uns keine 99 Euro wert und wir sagen das auch. Aber die Cheffin meint, sie könne es uns auch für 75 Euro überlassen. Wir nehmen es. Wer weiß, wie die Alternativen aussehen.

    Wir fahren in den Ort um Kaffee zu trinken. Das beste Cafe am Ort beeindruckt mir einer schier unermesslichen Fülle an Backwaren. Torten in allen Formen und Größen, herrliche Fruchttorten darunter und Kuchen soweit das Auge reicht und viel mehr als einem ohnehin schon Übergewichtigen lieb sein kann. Auf Tischen werden abgepackte Kekse und andere Leckereien angeboten. Ich trinke einen der besten Cappuccino und esse ein Stück hervorragende Früchtetorte. Drei hübsch anzuschauende Mädels bedienen. Die eine ist völlig überschminkt obwohl sie das gewiß nicht nötig hätte. Die beiden anderen sind Naturschönheiten und ihr Anblick verleitet zu Gedanken, die man im Beisein einer Partnerin sich besser nicht anmerken läßt.
    Wir machen noch einen kleinen Ausflug zu einer der vielen Burgen, die auf bald jedem Hügel stehen. Vorbei an Eßkastanienbäumen laufen wir zu einem verfallenen Gemäuer mit sehr hohem Turm, der aber keinen Zugang hat. Wenn ich in dieser Gegend wohnen würde, würde ich säckeweise Maronis sammeln und mich daran tot fressen. Wir beschließen, im Spätsommer wieder zu kommen.

    Wir fahren zum Hotel zurück und benutzen den Whirrlpool. Zu zweit paßt man gerade noch rein. Für andere Aktivitäten außer baden muß man Akrobat sein. Aber so ein Bad nach einem heißen Tag mit Stechmücken ist schon was feines.
    Wir stellen auch fest, daß das Zimmer über keinerlei Fenster oder andere Lüftungsmöglichkeiten verfügt.
    Die einzige Möglichkeit der Frischluftzufuhr besteht darin, daß die Schiebetür des Wintergartens offen bleibt und die Zugangstür ins eigentliche Zimmer ebenfalls geöffnet wird.
    Eigentlich kein Problem. Allerdings treibt sich so fast mitten im Wald doch allerhand Viehzeugs draußen herum. Und wie nicht anders zu erwarten sind junge Frauen, die sich über kleine harmlose Insekten aufregen gegenüber den Gefahren des Waldes auch weniger aufgeschlossen. Außerdem steht unmittelbar neben der Wintergartentür unter einem Strauch eine Rattenfalle. Aha. Na, entweder es gibt welche, weswegen man die Falle aufgestellt hat oder es gab welche.
    Wir beschließen, daß die Schiebetür etwas geöffnet bleiben muß und die Tür zwischen Wintergärtlein und Zimmer auf Kipp gestellt wird. So wird es wohl gehen.

    Wir essen zu Abend. Sie Fisch, ich ein typisches Gericht, das sich Baeckeofe nennt und wo Fleisch, Gemüse und Kartoffeln in einem Topf in den Ofen gestellt werden bis alles weich gekocht ist. Es ist zwar nicht herausragend gut aber es schmeckt. Dazu Wein, Wasser, Brot, Dessert und Salat, den ich haben wollte, den man mir aber verweigerte. Das ginge nicht, vielleicht später, die Köchin ist alleine in der Küche.
    Vielleicht hat mich die Cheffin aber auch nicht verstanden.
    Ich verzichte auf den Salat, selbst wenn er auf der Karte steht.

    Ich rechne, eine mitunter für Verkäufer oder Anbieter unerfreuliche Erfahrung, alles noch in DM um und stelle fest, daß das Töpfchen Weichgekochtes mit 32 DM einfach völlig überteuert ist. Beim Wein will ich nichts sagen und die Portion Fisch meiner Holden ist anderswo auch größer bei diesem Preis. Aber jetzt ist auch alles egal, denn es ist der Vorabend zum Geburtstag meiner Holden.
    Käse soll, wie in Frankreich üblich, den Abschluß bilden. Für 7,50 Euro (15 DM) bestelle ich eine Käseauswahl.

    Man sollte die Käseauswahl auf verspiegelten Tellern servieren dann hat wenigstens das Auge den Eindruck von Vielfalt und Menge. Aber die Käseauswahl kommt auf einem Glasteller und besteht aus zwei kleinen Streifen Schnittkäse aus dem Supermarkt, einer winzigen Ecke Camembert, den es auch in jedem Supermarkt billig gibt, zwei winzigen Stückchen eines anderen Weichkäses, einem noch kleineren Stückchen Butter und noch einem Winzstückchen anderem Käse. Alles in allem sehr übersichtlich aber keinesfalls dem Gegenwert von 15 DM, abzüglich Bediengeld entsprechend.
    Von Nepp will ich zwar nicht sprechen, aber man bekommt mitunter den Eindruck, daß hier späte Rache das Motiv für derartig unverschämte Preise sein könne.

    Die 65 Euro lassen wir auf die Zimmerrechnung schreiben und umgehen damit das nichtverdiente Trinkgeld. Denn zu allem Überfluß ist die Cheffin auch noch dauerhaft schlecht gelaunt.

    Die Nacht gestaltet sich als wenig erholsam. Einmal ist es unerträglich warm und stickig im Zimmer. Die Schiebetür ist etwa 20 cm geöffnet. Genug für Ratten, zu wenig für Wildsäue. Trotzdem werden wir mitten in der Nacht durch laute Geräusche aus dem Schlaf gerissen. Wir lauschen, ich wache. Im Dunkeln sehe ich noch recht gut, meine Holde ist da nahezu blind. Ich sitze auf dem Bett und schaue durch die Glastüre in den Wintergarten. Aber es tut sich nichts. Kein Schatten der auf dem Boden herumflitzt. Keine Wildsau die den Wintergarten in ein Krisengebiet verwandelt.
    Eigentlich will ich die Schiebetür noch weiter öffnen, weil die Wärme im Zimmer unerträglich und Waldluft eigentlich ja schön kühl ist, aber einmal hat meine Holde Angst, wenn ich die gekippte Tür zum Wintergarten richtig öffne und außerdem - wer weiß welche Ungeheuer sich in französischen Wäldern herumtreiben. Vielleicht sind es auch nur römische Legionäre.

    Als eine Weile nichts geschieht, lege ich mich wieder hin. Nach etwa einer Stunde wieder furchterregende Geräusche. Diesmal geht auch irgendwo ein Licht an. Vermutlich durch einen Bewegungsmelder ausgelöst geht es an und gleich wieder aus. Wieder an, wieder aus. Oder sind es die beiden älteren Amerikaner, die auch hier abgestiegen sind und die von Angst getrieben am Lichtschalter rumspielen?
    Meine Holde schreckt wieder hoch. Ich beruhige sie und beobachte wieder eine Weile auf dem Bett sitzend den Wintergarten. Draußen dämmert es schon. Im Wintergarten kann man aber keinerlei Bewegungen ausmachen. Da ist nichts! Eigentlich wollte ich gut schlafen.
    Aber meine Holde ist wieder unruhig. Obwohl wir schwitzig und ohne Bettdecke daliegen und ich eigentlich alle Löcher aufreißen will um endlich an frische Waldluft zu kommen, entschließe ich mich, auch um meine Holde zu beruhigen, die Schiebetür zu schließen. Ich will mich also in den Wintergarten begeben, was aber ohne die ängstlichen Bedenken meiner Holden nicht möglich ist. Ich tu es trotzdem, mache das Licht im Wintergarten an, schau unter das Mobiliar und in allen Ecken nach. Da ist nichts. Ich mache die Türe zu und gehe wieder ins Bett um dort weiter zu schwitzen.

    Das mit dem Wintergarten ist eine gute Idee, weil er die Schuhschachtel etwas vergrößert aber trotzdem sollte man den Architekten oder Planer dieses Unsinns im Nachhinein teeren und federn und anschließend nackt durch den Ort jagen, damit alle ehemaligen Gäste seines Schwitzkastens mit Weidenruten auf ihn eindreschen können.

    Wer keine Fenster einplant ist ein Idiot.

    Vor dem Frühstück ist ein Bad nötig um den Schweiß der Nacht loszuwerden.
    Das Frühstück kostet 12 Euro. Nun ist es ja schwierig, für 24 Mark pro Person zu fressen, aber die immer noch schlecht gelaunte Cheffin hat vorgesorgt und nur gerade eben so viel als Buffet hingestellt, daß die Wahl nicht schwer fällt, man den Überblick behält und aus Anstand, den anderen Gästen nichts wegessen zu wollen, ohnehin nicht viel auf den Teller packt.

    Es gibt ein Spiegelei für jeden, einige Brötchen träumen in einem Korb vor sich hin, drei Sorten Marmelade, Milch, Saft, Müsli und eine klitzekleine Auswahl an Wurst und Käse. Gekochte Frühstückseier sucht man vergebens. Brot gibt es auch nicht. Man hat noch die Wahl zwischen Kaffee, Tee oder Chokolat.
    Ich esse trotzdem einem anderen Gast sein Spiegelei weg und wohl auch ein Brötchen, das man in Fronkraisch bricht und nicht schneidet, da die Messer ohnehin total stumpf sind.

    12 Euro abzüglich des Gegenwertes des von uns eingenommenen Frühstücks entspricht einem feudalen Trinkgeld für das völlig überteuerte Abendessen des vorigen Abends.

    Wir gehen noch mal aufs Zimmer. Ich mache die Schiebetür des Wintergärtleins auf und atme die frische und gute Waldluft ein. So hätte es letzte Nacht sein können, wenn man den Architekten rechtzeitig mit Weidenruten geschlagen hätte.

    Wir bezahlen. Wir gehen.
    Wir beschließen, nicht mehr nach Strasbourg zu fahren, da dort der Teufel los sein wird. Stattdessen fahren wir den Berg rauf und dann zum Mont St Odile, wo eine Art Schloß steht. Gegründet um 700 von einer frommen Frau Ichweißnichtmehrwer, die jetzt in der Kapelle ruht. Alles ist gut erhalten. Offensichtlich fiel es den Menschen auch damals etwas leichter sich das Leben auf dem Berg einzurichten, denn knapp unterhalb des Gipfels befindet sich eine ausreichend sprudelnde Wasserquelle, was sicher von großem Vorteil war.
    Man kann allerlei Andenken kaufen. Marienbildchen und Heilige zuhauf. Medaillen und andere Anhänger in jeder Form. Karten sowieso und aus Plastik gefertigte Figürchen heiliger Frauen und Männer. Kitsch, daß es einem den Magen verdreht aber für Gläubige ein Muß und vielleicht letzte Rettung.
    Der Blick über das Rheintal bis in den Schwarzwald ist überwältigend. Es herrscht klare Sicht.
    Ob am Schloß eine extrem hohe Kriminalitätsrate herrscht weiß ich nicht, aber es gibt dort oben einen Gendarmerieposten dessen Uniformierte die Zeit mit breitbeinigem Herumstehen totschlagen.
    Auf dem Parkplatz eine Demonstration des nationalen Stolzes. Von 36 ! in einer Reihe parkenden Fahrzeugen sind nur drei ausländische Modelle. Ein Nissan, ein VW und ein Opel. Alles andere Peugeot, Renault, Citroen. Beeindruckend.

    Wir fahren über´s Land und kommen schließlich wieder in die Rheinebene. Die Dörfer sind ausgestorben. Und so weit das Auge blickt: Mais.

    Scheinbar kennen die hier nichts anderes oder der Anbau wird subventioniert oder das Zeug wird als Droge verkauft. Mais Mais Mais.
    Irgendwann Hopfen. Dann plötzlich doch Weizen. Und dann wieder Mais Mais Mais.
    Irgendwann kommen wir an den Rhein, fahren dort am Deich entlang, steigen auch mal aus und schaun uns den Fluß an, der ja auch immer sauberer wird und bereits wieder einige Fischarten enthält, die als im Rhein ausgestorben galten. In Roeschwog bei Wilhelm wollen wir halten um Flammkuchen zu essen.
    Wilhelm hat geschlossen. Komischerweise rege ich mich aber nicht mehr auf.
    Also fahren wir nach Deutschland und dort durch den Schwarzwald. Auch dort stehen vereinzelt Maronibäume. In irgendeinem Ort wird Halt gemacht und gegessen. Von guter Küche und warmen Speisen haben sie hier auch keine Ahnung, weshalb wir schnell essen, damit es wenigstens warm in den Mund kommt. Aber die Preise gehen noch.
    Aufbruch.

    Die kurvigen Bergstraßen durch den Schwarzwald sind hervorragend dazu geeignet, daß hirnlos gewordene Motorradfahrer sich den Kragen abfahren, was einige ja auch gerne tun. Da wird gedrängelt, in unübersichtlichen Kurven überholt und gerast, daß man sich wirklich fragt, ob diese Trottel ihren Verstand zu hause gelassen haben.
    Aber auch einige Autofahrer haben es furchtbar eilig, in den Tod zu rasen oder sehen einen Sinn darin, besonders dicht aufzufahren, selbst wenn sie nicht sehen können was hinter der nächsten Kurve kommt oder wenn sie sehen können, daß die anderen Vorausfahrenden auch nicht schneller fahren. Deppen zuhauf. Ohne Hirn unterwegs und dumm, daß man Angst bekommt. Promt kommt auch das große Erstaunen, weil hinter einer Kurve ein Motorrad liegt und alle Vorausfahrenden abrupt die Bremse betätigen müssen. Daran hat der stumpfsinnige Idiot hinter uns nicht gedacht. Wie sollte er auch.

    Plötzliches Bremsen des Vordermannes bei zu geringem Abstand des Nachfolgenden sind schließlich Dinge, wie sie auf diesem Planeten noch nie vorgekommen sind. Ein Unfall bleibt gerade noch aus, aber knapp. Meine Reaktion, die ihm zeigen sollte, daß ich ihn für einen wenig denkfähigen und daher fahruntüchtigen Mobilisten halte, quittiert der Idiot mit einem Wutanfall. Offenbar begreift er die Situation immer noch nicht.
    Irgendwann sind wir den Idioten los, er biegt ab. Aber der nächste läßt nicht lange auf sich warten. Mag ja sein, daß sich einer, der die Strecke täglich zur Arbeit und nach Hause fährt, vorzüglich auskennt und hinter Kurven gucken kann. Daß aber Auswärtige mit auswärtigem Kennzeichen nicht unbedingt mit 120 Km/h die Strecke bewältigen wo ohnehin nur 70 oder 100 zugelassen sind, mag sich diesen Einfachstgestrickten nicht erschließen. Und so kommt es denn auch, daß sich manch einer wundert, wenn man die Geschwindigkeit von 110 Km/h nicht länger beibehalten will, weil ein Ortsschild auftaucht. Wie unverhofft, wenn man dann auf 60 runterbremst. Damit muß man tatsächlich ja nicht rechnen, schließlich stehen Ortsschilder zur reinen Zierde in der Gegend herum und niemand muß damit rechnen, daß der Vordermann das Tempo vermindert.

    Irgendwann endlich wieder zuhause.
    Das Band des Antwortbeanrufers ist voll aber manche verstehen den Sinn einer solchen Einrichtung doch nicht ganz. Viele hören nach der Ansage und dem zum Sprechen auffordernden Piep noch vier Sekunden dem Schweigen zu um dann doch aufzulegen oder das Abschalten des Gerätes abzuwarten.

    Jetzt suche ich einen Hacker, der die Internetseiten gewisser Hotels knackt und abschießt. Außerdem werde ich nächstes Mal ein Zelt mitnehmen, wenn ich ins Elsaß fahre. Und ich werde auf die französische Küche nichts mehr geben, bis man mich davon überzeugt, daß sie auch gut sein kann. Über die Zimmer-Preise in Deutschland werde ich mich auch nicht mehr derart ärgern.

    Immerhin bekommt man auf Spiekeroog in der Hauptsaison für gleiches Geld eine geräumige und schöne Ferienwohnung mit Lüftungsmöglichkeit, wo ich im Elsaß einen Schuhkarton mit Klo und Bett zu mieten bekomme. Und das obwohl auf den ostfriesischen Inseln alles teurer sein MUSS, da jede Tüte Gummibärchen per Schiff dort hin transportiert wird und die Insulaner in der Regel nur ein halbes bis dreiviertel Jahr am Tourismus verdienen können.
    Und so wird es kommen. Im September nach Spiekeroog. Frische Meeresluft, Ruhe, Fisch essen, freundliche Menschen, ausreichend Frühstück, keine irren hirnamputierten Autofahrer weil keine Autos.
    Und keine Mücken.
     
  2. akiem

    akiem New Member

    die stelle mit den 3 mädchen (1 überschminkt 2 naturgeile) hat mir sehr gut gefallen. könntest du das noch etwas detailreicher schildern?
    :)
     
  3. maiden

    maiden Lever duat us slav

    die Rede war von NatürSCHÖNHEITEN , nicht NaturGEILHEITEN
     
  4. akiem

    akiem New Member

    ICH HABE NATURGEIL GELESEN!

    mann ich bin doch nicht schon mittags besoffen.
     
  5. maiden

    maiden Lever duat us slav

    obwohl naturgeil ja auch nicht zu verachten ist. Vielleicht beim nächsten Mal...
     
  6. akiem

    akiem New Member

    jetzt diskutieren wir noch die stelle "als sie sich bückte...."

    glaube mir, ich bin verkaufsprofi. du musst den banausen hier was anbieten (ist völlig wurst ob du das reingeschrieben hast)

    damit sie eine gute! geschichte wenigsten im ansatz lesen und kommentieren :)

    ich werde aber nicht mehr ins elsass fahren. ich mag den wein nicht und den touristenrummel auch nicht. dort musst du ja höllisch aufpassen, dass du nicht von einem kaffeefahrtbus überfahren wirst. elsass ist total überbewertet und strasbourg ist zusammen mit kehl eine der hässlichsten städte die ich je gesehen habe.
     
  7. pewe2000

    pewe2000 New Member

    Schöner Bericht, maiden. Da fahre ich schon mal nicht hin, wenn ich dereinst einmal Zeit in Hülle und Fülle habe. Zur Käseplatte fällt mir auch was ein, man muß gar nicht bis ins Elsaß, um solches zu erleben.
    Vor Jahren gingen wir mit 7 Freunden aufs Deutsch-Französische Volksfest. Wir waren noch nicht lange dort, da trieb uns ein gewaltiges Gewitter in eins der Freßzelte.
    Eine Freundin bestellte eine große Käseplatte für ca. 12 DM. Es kam ein recht kleiner Teller, auf dem lieblos 3 erbärmlich kleine Stücke Käse aus dem Supermarkt lagen – Wert vielleicht 2,50 DM. Das Ganze war noch nicht einmal nett angerichtet oder daß man wenigstens versucht hätte, das Elend durch Grünzeug etwas zu mildern. Wir lachten alle schallend los. Der Kellner war ziemlich verunsichert. Ich fragte ihn, ob er aus Versehen die kleine Käseplatte gebracht hätte, was er verneinte. Daraufhin ich: „Ist ihr Chef, Monsieur Nepp, zu sprechen?” Wieder geierte alles los. Der Kellner lachte verlegen, sein Chef war natürlich nicht da. Beschissen wird man überall, da muß man nicht noch Benzin verfahren!

    :)
     
  8. Rotweinfreund

    Rotweinfreund + Jevers Liebhaber

    … man, maiden, du hast aber auch ein, wenngleich sehr schön beschriebenes, Pech!
    :-(
     
  9. lemming

    lemming New Member

    Netter Reisebericht maiden. Hab viel gelacht.
     
  10. maiden

    maiden Lever duat us slav

    und was mich am meisten wundert - ich reg mich noch nicht mal sonderlich auf.
     

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